Das Zeichnen als künstlerische Ausdrucksform ist denkbar simpel: Zeichenimpuls, Zeichenbewegung und -spur sind eng aufeinander bezogen. Der Zeichnende überträgt seine Bewegungen direkt auf den Zeichengrund, und in den Lineamenten manifestiert sich die Dynamik dieses Prozesses. Dem scheint die animierte, bewegte Zeichnung als spontane Ausdrucksform in vielerlei Hinsicht entgegenzustehen. Für die Erzeugung der Illusion eines kontinuierlichen Bewegungsflusses ist – abgesehen von den filmtechnologischen Voraussetzungen – ein systematisches, überlegtes Vorgehen die Regel. Die Linienführung erfolgt kontrolliert und bezogen auf ihre Erscheinung im raum-zeitlichen Kontinuum.

 

Seit der Erfindung des Zeichentrickfilms haben sich Konventionen der Darstellung im Zeichentrick etabliert, die den arbeitsteiligen Produktionsprozess eines Zeichentrickfilms strukturieren und unsere Seherfahrungen und damit unsere Erwartungen an die Form- und Bewegungsgestaltung eines animierten Bewegt-Bildes maßgeblich prägen. Jenseits der kommerziellen Filmproduktion findet sich jedoch eine Vielzahl künstlerischer Ansätze, die der Logik des jeweiligen Zeichenprozesses folgend individuelle Strategien des Film-Zeichnens entwickeln.